August 2017 – Diagnose & Therapiebeginn

Es war der 7. August. Zwei Tage nach meinen Besuch in der proktologischen Sprechstunde holte ich mir von meinem Hausarzt eine Überweisung und wurde ins Klinikum Nord gefahren. Gott sei Dank!!

Dort wurde ich gleich stationär aufgenommen und am nächsten Tag  dem Proktologen vorgestellt. Das war der 8. August. Es folgten noch am selben Tag ein Kernspin und eine Computertomografie und abends um halb zehn auch gleich eine OP. Ich entschied mich für eine spinale Narkose um dem Baby nicht zu schaden. Dort wurde mir eine Analfistel (von der ich noch gar nichts wusste) entfernt und Gewebeproben entnommen. Noch im Aufwachraum kam die Frauenärztin, um die Herztöne vom Baby zu kontrollieren,- aber es waren keine da.. Ich war am Boden zerstört! Ich wollte das alles nicht wahrhaben und versuchte mich zu beruhigen, denn am nächsten Tag sollte ich in die gynäkologische Abteilung verlegt werden um das nochmals alles genau abzuchecken.. Aber auch am nächsten Tag waren keine Herztöne feststellbar: mein Baby war bereits tot.. Ich war in der 19. Woche. Ich verstand gar nichts mehr! Als der Arzt dann noch meinte dass ein Kaiserschnitt zu riskant war und wir mit Tabletten sofort die Geburt einleiten würden war alles vorbei! Ich war durch mit den Nerven! Und auch jetzt, beim Schreiben, heule ich wie ein Schlosshund. So heftig! Mir riss es den Boden unter den Füßen weg! Der absolute Albtraum!

Ich bekam Tabletten,- aber die Wehen setzten nicht ein. Dafür erbrach ich wieder und wieder. Ich war mit den Kräften am Ende. Am nächsten Tag, dem 10.08. dann, setzten endlich die Wehen ein.. Die Schmerzen wurden immer schlimmer und ich realisierte auch, dass ich durch die Fistel-OP ein Loch von Darm bis Pobacke hatte: ich war quasi inkontinent. Hammerhart! Ich hatte Angst, Schmerzen und machte mir Vorwürfe dass das Kind nicht überlebt hatte. Um kurz nach 20.00 Uhr rief ich nach der Schwester. Die Wehen kamen minütlich. Die Hebamme bestätigte mir, dass der Muttermund endlich weit genug geöffnet war und schob mich in den Kreissaal.

innerhalb von einer Stunde hatte ich es geschafft. Ich dürfte meinen kleinen Kämpfer sehen: TOM ❤️ Du bist jetzt hoffentlich an einem besseren Ort.

Nach zwei Tagen verliess ich die Klinik und ging nach Hause zu meinen Lieben. Aber die Schmerzen wurden immer schlimmer! So rief ich wieder den Krankenwagen..

Zurück im Klinikum Nord bekam ich dann Schmerzmittel und Infusionen und mir ging es nach einem Tag ein wenig besser. Und dann kam ein Moment, den ich nie vergessen werde: der Doc kam mit einem verdammt traurigen Gesicht ins Zimmer und setzte sich zu mir auf mein Bett: „Frau Maurer, wir haben das Ergebnis ihrer Gewebeproben..“ Ich verstand gar nix! Was er mir wohl sagen wollte? „Sie haben Enddarmkrebs. Ihr Fall wurde gerade im Tumorboard besprochen. Ich werde Sie gleich morgen in der Strahlenklinik vorstellen. Es tut mir leid, was Sie gerade durchmachen müssen.“

BÄM!! Was sagt der? Krebs? Ich? Wieso? Keine Analfissur? Ein Tumor? Der muss sich irren!

Nachdem er mir noch Rede und Antwort gestanden hat war ich erstmal verwirrt. Ich hatte zwar ganz nüchtern alles Wichtige gefragt, aber so richtig in meinem Hirn kam das nicht an.. Krebs? WTF?! Und der Doc versicherte mir immer wieder, dass sie sich sicher nicht irren würden. Ich passe zwar nicht ins Raster, da ich zu jung wäre, aber es ist definitiv Krebs.

Am nächsten Tag in die andere Abteilung. Es war alles so unrealistisch! Ich stand absolut neben mir. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich wegen meiner Fistelwunde und dem Tumor schon nicht mehr sitzen. Ich wurde liegend im Bett zu den Untersuchungen gefahren. Also lag ich da im Gang und wartete auf die Ärztin. Die kam auch relativ zügig, schob mich ins Zimmer und erklärte mir wie es weitergehen sollte: 28 Bestrahlungen und 2 Zyklen Chemo (4x 20 Stunden),- danach eventuell OP. Über Mögliche Risiken würde ich dabei auch aufgeklärt. Und: dass es wohl besser wäre ein vorübergehendes Stoma zu bekommen, da das Karzinom auch zu einem Darmverschluss führen könnte. Stoma? Nen künstlichen Darmausgang?

Was?! Bestrahlung? Chemo?! Krebs? Rektumkarzinom? Was geht hier bloß ab? Ok. Therapiebeginn nächste Woche. Ich hab’s immer noch nicht verpackt!

Ich habe ab da wahnsinnig viel gelesen und recherchiert. Auch über alternative Behandlungsmethoden. Aber die waren meistens nicht genügend erforscht. Und wenn ich den Radiochemoweg gehe, habe ich wenigsten eine Chance, bevor „Arschloch“ (so nannte ich meinen Tumor liebevoll) noch streut. Also keine Zeit zu Verlieren: ich muss das Überleben! Für meine Töchter! ♥️

Ein paar Tage später hatte ich meine erste Begegnung mit dem Bestrahlungsgerät. Dabei wurden mir mit wasserfestem Stift Fadenkreuze auf die seitlichen Oberschenkel und aufs Schambein gezeichnet. Um immer die gleiche Position beim Bestrahlen zu gewährleisten. Das Stoma habe ich dankend abgelehnt.. Da ich glücklicherweise ein kleines Einzelzimmer mit Dusche bekam, konnte ich mich ja da entleeren und meinen Fistelgang ausduschen. Ja! Ausduschen.. Ich hasste es! Nach jedem Stuhlgang ausduschen. Und ich hatte bereits da heftige Durchfälle. Also verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit in der Dusche. Durch die Bestrahlungen wurden diese Durchfälle auch nicht besser.. Es war grausam! Nach und nach verlor ich dann meine Schamhaare und meine Haut wurde langsam dunkler. Meine Arme waren von den vielen Infusionen auch komplett zerstochen. Und ich wurde immer dünner. Den ersten Chemozyklus hatte ich dann dafür aber doch gut weggesteckt. Allerdings hatte ich da schon kaum mehr Muskeln: ohne Rollator ging nix mit laufen. Und ich nahm auch wahnsinnig viele Schmerzmittel.

Und dann Ende August hatte ich wieder neue Beschwerden. Es wurde sofort untersucht: ein Abszess! Herrlich! Der wurde 2 Tage später entfernt und somit hatte ich dann 2 offene Wunden am Hintern. Wunderbar! Und das während der Bestrahlung. Es heilte alles so furchtbar schlecht und ein Sitzen rückte in weite Ferne.. Aber ich würde auch immer trotziger und mental stärker: diesem verdammten Krebs werde ich es zeigen! Arschloch! Auch, wenn ich absolut am Boden war: Aufgeben war nie eine Option! Und einen Plan B hatte ich nicht..

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